Meine erste Katzenausstellung

Am Beispiel einer 1 Tages Ausstellung

Selbst, wenn Sie mit Ihrer Katze "nur mal einen Wurf machen", sind Sie im Sinne der internationalen Bestimmungen ein Züchter und auch, wenn Sie die Kätzchen in der Wohnung aufziehen, haben Sie einen Zwinger, denn ein Zwingername ist in jedem Fall erforderlich; obschon Ihnen, als Katzenfreund, das Wort nicht gefällt, gibt es im deutschen Sprachgebrauch kein anderes.

Und bevor Sie überhaupt daran denken, die Hochzeit für Ihre Katze in die Wege zu leiten, müssen Sie die zukünftige Braut mindestens einmal in der offenen Klasse ausstellen, um zu erfahren, ob das Tier zuchtwürdig ist. Das gleiche gilt auch für die Deckkater. Wird das Tier als nicht-zuchtwürdig beurteilt, weil es gravierende, vererbbare Fehler hat, z.B. falsche Zahnstellung, Knick im Schwanz oder weil es nicht dem Typ seiner Rasse entspricht, ersparen Sie Ihrer Katze weitere Ausstellungen und finden Sie sich damit ab, mit diesem Tier keine Jungen aufzuziehen; haben Sie sie aber weiterhin lieb und erfreuen Sie sich an Ihrem zärtlichen Hausgenossen. Sie tun dem Tier noch ein weiteres Gutes, indem Sie es kastrieren lassen.

Keine gute Bewertung kann eine Katze oder Kater aber auch dann bekommen, wenn sie schlecht in Kondition ist oder noch nicht entsprechend entwickelt ist, z.B. Fellqualität, Farbe, oder ähnliches. Sie ersehen das alles aus dem Richterbericht. In diesem Falle pflegen Sie das Tierchen gut (Ernährung, Fellpflege), und präsentieren Sie Ihren Liebling an einer nächsten Ausstellung.

Falls Sie aber zu denen gehören sollten, die Ihre Katze auch einmal ausstellen wollen, einfach so, zum Spass (und es dann nicht mehr lassen können), so sei vorangestellt, dass solche Ausstellungen "süchtig" machen können. Wie ein Bergsteiger beim Anblick eines unbezwungenen Gipfels ist schon so mancher Katzenbesitzer genauso versessen auf seine Freizeitbeschäftigung geworden, vor allem, wenn seine Katze die Ausstellungsprozedur mit Gelassenheit über sich ergehen lässt.

Aus welchem Grunde Sie auch immer Ihre Katze ausstellen wollen - es beginnt damit, dass Sie Ihren Liebling (rechtzeitig) für die ausgesuchte Schau melden. Dazu müssen Sie Mitglied eines anerkannten Verbandes sein. Ihre Anmeldung (es gibt offizielle Formulare dafür) schicken Sie mit einem bereits adressierten und frankierten Kuvert, zum unterzeichnen an den zuständigen ihres Clubs.

Ein paar Wochen vorher schon beginnt dann der count-down. Jeder Aussteller hat je nach Katzenrasse, so seine eigene Methode. Spezielles Futter, Vitamine, Mineralstoffe für ein schönes, noch seidigeres Fell oder sogar eine besondere Diät, wenn die schlanke Linie in Gefahr ist. Baden, Ohren putzen, Krallen stutzen, pudern, und verstärktes Kämmen und Bürsten; denn am Tage vor der Abreise in die Hände spucken und Ihrem besten Stück übers Fell fahren, genügt natürlich bei der zu erwartenden Konkurrenz nicht.

Ca. 1 Woche vor der Ausstellung erhalten sie dann Ihre Anmeldebestättigung, eine Zufahrtsbeschreibung, sowie einen Einzahlungsschein für die Ausstellungsgebühr (ca. Fr. 50.- pro Katze). Erst mit diesem Papier kann Ihre Katze an die Ausstellung zugelassen werden.

Ab ca. 7.30 Uhr morgens können Sie Ihr Tier einliefern; aber auch da haben die Götter das Warten vor den Erfolg gesetzt. Wenn Sie am Ausstellungsgelände ankommen, sehen Sie erstmal eine lange Schlange abenteuerlicher Gestalten vor der Halle warten. Viele sind übernächtigt von der langen Anreise. Jeans und Pullover dominieren. Transportkäfige und -körbe, Koffer, Taschen und Beutel hat jeder um sich aufgestapelt. Freunde und Bekannte aus halb Europa werden laut begrüsst, andere wieder geflissentlich übersehen.

Der erste Weg führt zum Tierarzt. Er untersucht die Katzen auf äusserliche Krankheitsanzeichen und Parasiten und kontrolliert die Impfpässe. Dann geht es weiter zur Eingangskontrolle. Dort müssen Sie die vom Tierarzt mit „Tierarztkontrolle i.O.“ versehene Anmeldebestättigung vorweisen, sowie die Ausstellungsgebühr bezahlen, falls Sie dies nicht schon per Einzahlungsschein erledigt haben (Beleg vorweisen). Sie erhalten nun Ihre Ausstellungspapiere. Es sind dies: die zugeteilte Käfignummer, Ausstellerausweis, Nummernschildchen für Ihr Tier und Katalog.

Nun sind Sie "drin" und können Ihren Käfig suchen und herrichten. Beim Einlass erfahren sie, in welchem Sektor sich ihr Käfig befindet, damit sie nicht die ganze Halle danach absuchen müssen. Zum Herrichten haben Sie Ihre Käfigausstattung, bestehend aus einem Vorhang für Seiten- und Rückwand. Vom schlichten, glatten Leinentuch bis zum kunstvoll gerüschten Samtvor­hang, vom dezenten einfarbigen bis zum bunt gemusterten werden Sie alles finden und ein Modeschöpfer würde vor Neid erblassen, ob der aufgebotenen Vielfalt an Farben und Ausführungen. Weiter haben Sie eine weiche Unterlage, vielleicht auch ein spezielles Sitzplätzchen mitgebracht und natürlich auch Toilette und Futter- bzw. Trinknapf nicht vergessen. Wenn Sie dann Ihrer Schönen den Nummern­anhänger umgebunden haben, ist Ihr Werk zunächst getan. Kontrollieren Sie jetzt unbedingt den Eintrag Ihrer Katze im Katalog. Stimmt das darin aufgeführte? Ist der Name korrekt geschrieben, stimmt der Titel? Wenn etwas nicht stimmen sollte, müssen sie umgehend ins Sekretariat und das melden. Wenn das Richten ihrer Katze begonnen hat, kann nichts mehr geändert werden. Abgesehen davon: Sie haben jetzt sowieso eine Ruhepause nötig; inzwischen ist es nämlich bestimmt schon 9:30 Uhr geworden und das Richten beginnt.

Sehen Sie sich nun die Ausstellung an, der "alte Ausstellungshase" geht zunächst einmal mit dem Katalog in der Hand seine Mitbewerber ab, um die Chancen des eigenen Tieres abzu­schätzen. Nicht selten verbringt er den Rest des Tages in der Halle, um mit den anderen Züchtern Erfahrungen und Erinnerungen auszutauschen, oder den neuesten Klatsch zu erfahren.

Währenddessen hat das Richten begonnen. Die Tiere werden rassen- und klassenweise den Richtern vorgestellt, die sie entsprechend den jeweiligen internationa­len Standards, beurteilen und klassifizieren. Da Sie, im Gegensatz zu früher, heute Ihr Tier selbst vorstellen können, müssen Sie das Geschehen während des Richtens beobachten. Bei vielen Ausstellungen ist es so, dass bei den Richtern Tafeln aufgestellt werden, auf denen die Nummern der Katzen stehen, die bald gerichtet werde. Wenn Sie die Nummer Ihrer Katze sehen, ist es Zeit sie nach vorne zu den Richtern zu bringen. Sollten Sie den richtigen Zeitpunkt verpassen, wird die Nummer Ihrer Katze von den Stewards ausgerufen. Spätestens jetzt sollten Sie reagieren, im schlimmsten Fall kann Ihre Katze sonst disqualifiziert werden. Bei den Richtern haben die Stewards bereits einen Käfig vorbereitet, der mit der Nummer Ihrer Katzen angeschrieben ist. Setzten Sie Ihre Katze in diesen Käfig und warten Sie bei den Zuschauern, bis Ihnen der Steward ein Zeichen gibt, dass Ihre Katze nun an der Reihe ist. Jetzt können Sie Ihre Katze dem Richter präsentieren und der Richter wird Ihnen seine Beurteilung erklären.

Während des Tages machen Sie sich darauf gefasst, dass nur von Katzen geredet wird. Die einen schim­pfen auf den Richter, der ihr bestes Stück ausgesprochen mies beurteilt hat, die anderen auf den Nachbarn der ihre Katze überbewertet fand. Der Dritte preist irgendein unübertreffliches Shampoo, der Vierte ein besonderes Vita­minpräparat, aber alle sind sich einig, dass die eigene Katze die Schönste ist. Stammbaumherkunft, die Qualität eines Deckkaters, alles ist Grund für lange Gespräche. Und dann erhalten Sie ja auch noch den Richterbericht Ihrer Katze. Darauf können Sie noch einmal nachlesen, wie der Richter Ihre Katze beurteilt hat. Mit diesem Bericht können Sie dann Ihren Preis abholen.

Meist am späten Nachmittag, kommt dann der Höhepunkt: Die Best-in-Show-Wahl. Jeder Richter hat am Morgen von den von ihm gerichteten Tieren die Besten (Kater, Kätzin, Jungtier und Kastraten) dafür nominiert. Die Auserwählten werden jetzt von den beteiligten Richtern nochmals miteinander verglichen und aus allen, den schönsten Tieren wird in geheimer Wahl die Nr.1 gewählt, die dann den Tital Best-in-Show erhält. Bei der Preisverteilung werden diese Schönsten dann einzeln vorgestellt, mit Pokalen und Kokarden ausgezeichnet und entsprechend beklatscht.

Jetzt ist die Spannung vorüber. Gegen Ende der Ausstellung verlaufen sich langsam die Zuschauermassen, die dicht gedrängt die Käfigreihen durchwandert haben, um mehr oder weniger sachkundig die ausgestellten Schönen zu bewundern. Gegen 18.00 Uhr beginnt der allgemeine Auf­bruch der Massen. Koffer und Taschen werden gepackt, dieTiere in die Transportkäfige gesetzt. Jetzt folgt noch eine kleine Hilfe für die Organisatoren: Der Käfig wird von Ihnen geputzt, der Abfall richtig entsorgt, ein kurzes Winken, zu Freunden und Nachbarn....

Die Schau ist vorüber, der Vorhang fällt.